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Erstes Treffen der europäischen Partner
Bericht zum ersten Meeting vom 13.-16.1.2010 von Gerhard Beil

Mit Recht gibt Johann Amos Comenius, einer der bedeutendsten Pädagogen, dem Austauschprogramm der Europäischen Union seinen Namen. Es gilt, Regionen, Schulen und Einzelpersonen zusammen zu bringen und den Gemeinschaftsgedanken zu pflegen. Im Rahmen der Projektfindung weilten vom 13.-16./17.1.2009 neun Lehrer aus sieben europäischen Ländern in Rheinzabern, das schon vor rund 2000 Jahren die berühmte Terra Sigillata europaweit exportierte.

Im Mittelpunkt des Meetings stand die Findung eines Themas, aber auch die Bewältigung umfangreicher organisatorischer Absprachen, die per Computer abgeglichen werden mussten. Früh übt sich, was ein Europäer werden will. Erstaunlich die Sprachenvielfalt, die mittels English zu bewältigen war. Erstaunlich die unterschiedlichen Rahmenbedingungen für Schule in unseren europäischen Ländern. In der Vielfalt liegt die Kraft, könnte man sagen, ist Schule doch vor allem auch als kulturelle Institution zu sehen, die auf die Eigenarten der jeweiligen Menschen einzugehen hat.


Aus Oulu/Finnland, der nördlichsten Großstadt Europas, unweit des Polarkreises, war Katja Jutunen gekommen. In fließendem Deutsch pflegte sie bald small talk und ließ sich auch Pfälzer Ausdrücke erklären. Adelé Berezovskaja und Angelé Vasiliauskiené vertraten eine Schule aus Prienai unweit von Kaunas in Litauen. Aus Rzeszów in Galizien, aus der Region Podkarpackie, einem touristischen Geheimtipp in Südostpolen, waren Agnieska Batóg und Bozena Mikula angereist. Mit fließendem Deutsch und dem Herzen auf der Zunge belebten die beiden sichtlich die Runde. „I’m Zsófi, I come from Budapest“, stellte sich Zsófia Attilané Kovacs vor - in bestem Cambridge trained English. Sie verkörperte das Land, das 1989 den Stacheldraht abbaute und die Öffnung Europas nach Osten einleitete. Vom Absatz des italienischen Stiefels, aus Francavilla Fontana bei Brindisi, war Mario Adrisano dabei, ein Signore von echtem Schrot und Korn. Juan Antonio Gonzales kam aus Betanzos in der Nähe La Coruna im spanischen Galicien. Hier am „Ende Europas“ umtost der Atlantik die steile Küste. Juan arbeitet in einer riesigen Schule mit großer Altersbreite. Schwarm mancher Mädchen war aus Scott Cosnett aus Walsall bei Birmingham. Er unterrichtet an seiner Schule Dramaturgie. Lehrerin Bettina Vierthaler, IGS Rheinzabern, oblag die Hauptorganisation. Unterstützt wurde sie auf vielfältige weise von Kolleginnen und Kollegen, die teilweise als „Paten“ für die Gäste zur Verfügung standen.

Natürlich gab es auch ein kommunikationsförderndes Rahmenprogramm. Obligatorisch dabei ein Besuch des Speyerer Domes, UNESCO-Weltkulturerbe, wo Gerhard Beil eine europäische Geschichtsstunde hielt. Unglaublich, wie viel europäische Geschichte und Tradition sich in Speyer und der Pfalz fokussiert. Natürlich strahlten die Polinnen, als sie sahen: Jan Pawel, Papst Johannes Paul II. war schon da. Der majestätische romanische Dom beeindruckte ob seiner Schlichtheit und Würde. Ehrfurchtsvoll stand man an der Grablege für acht Kaiser und Könige, meist von europäischem Rang. Nirgends in Europa gibt es so etwas. Und alle konnten sich mit dem besonderen europäischen Ort identifizieren. Wer nicht alles war hier vertreten? Kelten, Römer, Burgunder, Kaisertum und Mönchtum, Bernhard von Clairveaux rief von hier zum Kreuzzug auf, Reformation, 30-jähriger Krieg, Erbfolgekriege, Französische Revolution, Napoleon, demokratische Bewegung rund ums Hambacher Fest und die Revolution 1848/49, zwei Weltkriege. Der große Europäer Robert Schuman traf sich mit Konrad Adenauer. George Bush, Gorbatschow, Mitterand, Thatcher, Jelzin u.a. Staatsmänner besuchten zusammen mit Helmut Kohl den ehrwürdigen Dom. Eine Weinprobe mit zünftiger Pfälzer Kost rundete den ersten Arbeitstag ab.

Am zweiten COMENIUS-Tag waren Besuche in diversen Schulklassen angesagt, wofür sich die Schüler vorbereitet hatten. Zusammen mit Agnieszka und Bozena intonierte Lehrer Ernst Braun auf seiner Gitarre „Sto Lat“, das berühmteste polnische Glückwunschlied. Zsófi Kovacs improvisierte in der Klasse 10a eine Englischstunde, und keiner konnte sich ihrem Temperament entziehen. Vielmehr zeigte sich so mancher „coole Typ“ von einer völlig unbekannten Seite, als er sein Englisch mutig anwenden durfte. Nach einer Stippvisite im Wasserwerk und in der Gruppenkläranlage war die Delegation bei Bgm. Schwind zu Gast. Anlässlich eines Abendessens begrüßte Ortsbürgermeister Gerhard Beil die Gäste und überreichte jedem etwas Typisches aus dem antiken Tabernae: Ein römisches Gefäß sowie – heiß begehrt – je ein Schoppenglas mit dem Emblem des Jubiläumsfestes von 2004. „You’ve come as colleagues and will go as friends”, meinte der Ortsbürgermeister und traf damit genau den Nerv der Gäste.

Natürlich leisteten die europäischen Freunde auch ihren Beitrag beim „Tag der offenen Tür“ am 16.1.2010. Sie sangen im Chor und stellten sich in der Landessprache vor, was dem Event natürlich einen europäischen Tuch gab. Finnisch, Litauisch oder Ungarisch hört man nicht alle Tage. Zwischendurch galt es, Berichte zu formulieren und alles im PC abzustimmen. Schließlich reichte es gerade noch zu einem kleinen Stadtbummel in Karlsruhe. Bei Livemusik und einem gemütlichen Essen klangen die arbeitsreichen Tage aus, wobei Schulleiter Pete Allmann selbst zur Gitarre griff.

Früh am Sonntag Morgen hieß es Abschied nehmen – mit viel Wissen und noch mehr Emotionen im Herzen. Es waren übrigens die schönsten Tage während des unwirtlichen Januars. Danach sollten triste Wochen folgen.

Ziehen wir ein kleines Resümee: Menschen unterschiedlichster Provenienz waren zusammengekommen, haben europäischen Geist verspürt und am Haus Europa gebaut. Wichtiger als das gefundene Thema „Wasser“ ist jedoch die persönliche Begegnung. Es bedarf immer wieder solcher Begegnungen, denn an Europa muss ständig gebaut werden. Und es ist wichtig, das Gemeinsame herauszustellen, anstatt das Trennende zu betonen. Europa braucht gemeinschaftliches Bewusstsein und darf sich nicht vom globalisierenden Internet überrollen lassen. Insbesondere die „kleinen“ Länder haben noch sehr viel in Europa einzubringen. Und wie heißt es so schön? Im Kleinen fängt man an. Nun gilt es, zuhause in den Kollegien für die Idee zu werben. Wir sind gespannt – und optimistisch.

Bericht "Erstes Treffen der europäischen Partner" in Englisch / Report, "First Meeting of the European partners" in English

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